Kreisliga A: Westfalia Osterwick verspeit eine 2:0-Führung gegen Turo Darfeld

Allgemeine Zeitung ROSENDAHL. Schöne Bescherung! Tobias Paschert und Mario Worms, beide außen vor mit muskulären Blessuren, schauten reichlich betreten aus ihren Trainingsklamotten, als ihnen der Ortsrivale Turo Darfeld in einer hektischen Schlussphase noch zwei nicht mehr für möglich gehaltene Gegentore eingeschenkt hatte. Mannomann, das Spiel war doch schon gelaufen, mögen die beiden Osterwicker Trainer in den bitteren Momenten gedacht haben. Irrtum! Florian Feitscher (83. Minute) mit seinem siebten und Jonas Klostermann (86.) mit Feinem zweiten Saisontor drehten ein verrücktes Aufeinandertreffen, das zweifellos in die Rosendahler Derby-Geschichte eingehen wird.


Freude pur: Noah Eggemann (links) feiert den 1:0-Führungstretter von Pascal Leipelt (rechts), einer der „Oldies" im Osterwicker Kader. Fotos: uh Von Ulrich Hörnemann

Die Darfelder Fankurve kriegte sich vor Freude kaum noch ein. Mit dem 2:2-Ausgleich durch Jonas Klostermann, der dem gegnerischen Schnapper Dominik Chmieleck mit einem lupenreinen Fallrückzieher (Note 1 plus mit Sternchen) keine Abwehrchance ließ, brauste ein Jubel-Orkan durchs Stadion. Übermütig schmetterten die Anhänger im Chor: "Einer geht noch, einer geht noch rein." Doch ein dritter Treffer, so sehr sie auch darauf gehofft hatten, wäre zu viel des Guten gewesen.

Ja-n Sinmon Wilmer, Keeper und Käpt'n im Turo-Team, staunte Bauklötze. „Meine Fresse", sagte er im Selbstgespräch, „was ist das für ein krankes Spiel." Pascal Leipelt (7.) und Florian Richters (18.) hatten bereits früh für eine beruhigende 2:0-Führung gesorgt. Osterwick agierte, Darfeld konnte bloß reagieren. „Wir waren hoffnungslos unterlegen", gab Lindner ehrlich zu. „Und wir hätten den Vorsprung weiter ausbauen müssen", dachte Paschert an die erste Hälfte, die von den Osterwickern ohne Wenn und Aber diktiert wurde.

Nach dem Seitenwechsel ließ der Tabellenführer die Zügel schleifen. Von der deutlichen Überlegenheit vor der Pause war nichts mehr zu sehen. „Hinten haben wir uns besser angestellt", lobte Lindner die Defensivarbeit, „die Jungs haben immer an sich geglaubt und alles rausgehauen, was drin saß." Worms, Top-Schütze in der A-Klasse mit 14 Einschüssen, fehlte natürlich auf dem Feld. Ohne seine wieselflinken Dribblings, die jede Abwehr aushebeln, ging den Gästen ein wichtiges Element flöten.

An ein mögliches Unentschieden, das den meistenwie ein vorweihnachtliches Präsent vor kam, hat im Turo-Lager dennoch kaum einer ernsthaft einen Gedanken vergeudet. „Wir haben nie aufgegeben", betonte Lindner, „und sind am Ende belohnt worden." Feitscher und Klostermann trafen zum 1:2 und kurz danach zum 2:2 in einer turbulenten Begegnung, die eigentlich am Samstag ausgetragen werden sollte, doch aufgrund der Wetter-Kapriolen, wie die Darfelder verlauten hießen, abgeblasen wurde. Daraufhin ordnete Staffelleiter Horst Dastig an, dass 23 Stunden später der Anpfiff des souverän leitenden Unparteiischen Sven Wensing ertönte.

Markus Lindner war hin und weg, als er an den Fallrückzieher. von Jonas Klostermann dachte, den er rückblickend als „Tor des Monats" adelte. Schade nur, dass die ARD-Sportschau nicht live vor Ort war im Turo-Stadion.

Das schmeichelhafte Remis lässt den Darfeldern alle Möglichkeiten für die Rückserie im neuen Jahr. „Gott sei Dank haben wir das Titelrennen offen gehalten", atmete Lindner auf und verteilte ein dickes Kompliment an seine arg gerupfte Besetzung: „Meinen allerhöchsten Respekt! Ich bin stolz auf diese tolle Mannschaft." Stolz war auch sein Herzblatt, Melanie Feldkamp, die strahlend auf ihren Lebenspartner zulief und ihn freudetrunken herzte: „Glückwunsch, Schatzi!"

Die Mienen auf der anderen Seite ließen derweil auf deutliche Enttäuschung schließen, auch wenn Mario Worms sofort gegensteuerte: „Die Hinrunde war hervorragend", fasste er das bisherige Geschehen zusammen, „wir befinden uns immer noch auf Platz eins." Worms liegt goldrichtig, denn: Osterwick besitzt mehr Punkte Vorsprung (nämlich fünf) auf Darfeld, als der Adventskranz Kerzen hat.

Natürlich schmerzte. ihn das Unentschieden, was nicht nötig gewesen wäre. „Fußball ist nun mal Ergebnissport", präsentierte er eine uralte Weisheit, die reif wäre für das Phrasenschwein im Doppelpass, und packte noch einen weiteren Spruch drauf: "Tore entscheiden." Dummerweise haben sie versäumt, eine dritte Kerze kurz vor Weihnachten anzuzünden - und trotz alledem bleibt Westfalia Osterwick erster Anwärter .auf den Sprung hinauf in die Beezirksliga. Mit einem Bonus von fünf Zählern auf Turo Darfeld sind die Aussichten überaus rosig.