Weniger Gegentore sind ein Rezept für den Angriff auf die Spitzenplätze

Allgmeine Zeitung Von Frank Wittenberg OSTERWICK. Gegen die quirlige Westfalia-Offensive die Null zu halten, stellt die gegnerischen Abwehrreihen regelmäßig vor unlösbare Probleme. Für eine Bude sind sie immer gut - aber was nützt es, wenn es zu häufig im eigenen Kasten einschlägt? „Wir haben zu viele Gegentore kassiert", muss Mario Worms keine aufwendige Ursachenforschung betreiben, wenn es darum geht, die Kurz-Saison 2020/21 aufzuarbeiten.

„Viele können oben mitspielen, den klaren Favoriten sehe ich nicht. Unser Ziel ist einfach vor jedem Spiel, es zu gewinnen."

Mario Worms

Offensive gewinnt Spiele, Defensive Meisterschaften - was nicht heißt, dass in Osterwick künftig die Maurerkelle ausgepackt wird. „Aber wir müssen als Kollektiv besser zusammenarbeiten", weiß Worms, der gemeinsam mit Tobias Paschert in der Vorbereitung genau darauf einen Fokus gelegt hat.

Platz vier nach den acht Spielen vor der Corona-Zwangspause, das klingt nicht so schlecht. Aber satte elf Punkte Rückstand, die sie bis Ende Oktober schon auf Tabellenführer Turo Darfeld angehäuft hatten, die lagen dann doch schwer im Magen. „Das hätten wir wohl kaum noch aufgeholt", zuckt Mario Worms mit den Schultern - im Rhythmus zu bleiben und alle 20 Jahre nach 1981 und 2001 einen Bezirksliga-Aufstieg zu feiern, wäre kompliziert geworden. Vor dem Hintergrund erschien der Saisonabbruch nicht als Drama.„Für die Entwicklung der Jungs war es nicht gut", macht Tobias Paschert deutlich. Aber die Gelegenheit, den Rest-Knopf zu drücken, haben sie gerne genutzt.

Einige überzeugende Auftritte haben sie hingelegt, aber auch ein Unentschieden daheim' gegen Borussia Darup sowie Niederlagen bei GW Nottuln und DJK Rödder sowie gegen Turo Darfeld zu viel, um wirklich ganz oben mitzumischen, wie es eigentlich der Plan war. „Wir mussten uns sicherlich in der Ausrichtung erst als Trainer-Team finden", sagt Mario Wormsüber die ersten gemeinsamen Wochenan der Seite von Tobias Paschert, Ganz normal an der Seite von Tobias Paschert. Ganz normal, ebenso wie die Tatsache, dass die vielen jungen Spieler das Konzept verinnerlichen müssen. Dazu zählt auch, noch einmal eine Schippe draufzulegen, wenn es nicht so läuft. „Meistens war es schwierig, wenn wir ein frühes Gegentor bekommen haben", erinnert sich der 30-Jährige.

„Für mich ist Turo Darfeld der Topfavorit— und wenn wir am Ende vor denen stehen, würde es mich sehr freuen."

Tobias Paschert hat aber auch Fortuna Seppenrade, SuS Legden und GW Nottuln II weit oben auf dem Zettel.

Was ebenso wichtig ist: einfach kühlen Kopf bewahren, wenn der Gegner gegen die Westfalia einen Bus vor dem eigenen Tor geparkt hat und es möglicherweise nach 70 Minuten noch 0:0 steht. „Geduldig bleiben", weiß Worms, was er gemeinsam mit seinem Trainerkollegen den Youngsters eintrichtern muss. Zumal die Osterwicker ohnehin nicht darauf gepolt sind, die Brechstange auszupacken: „Wir wollen es spielerisch lösen."

Alle Hindernisse aus dem Weg räumen will Westfalia 0sterwick - Hannes Grams (links) macht es vor.

Und das vor allem mit Spaß am Fußball. „Wir wol-, len einfach gute Spiele zeigen", blickt Tobias Paschert voraus. Der 31-Jährige, ein Westfalia-Urgestein, weiß, dass die Zuschauer es dann zu schätzen wissen. Wenn dabei auch die Ergebnisse stimmen; ist es umso besser. Ob es am Ende dazu reicht, in der Kreisliga A um den Titel mitzuspielen und vielleicht die Rückkehr in die Bezirksliga zu schaffen, lässt sich nur schwer vorhersagen, da sind sich die beiden Trainer einig. Den Nachbarn Turo Darfeld, den sie erst am letzten Spieltag vor der Brust haben,- schätzt Paschert wieder stark ein, aber auch Fortuna Seppenrade und GW Nottuln II, nicht zuletzt SuS Legden mit mehreren Neuzugängen. Nur auf diese direkten Duelle zu blicken, halten die Trainer aber für gefährlich. „Jedes Spiel ist wichtig und bringt drei Punkte",  weiß Mario Worms um die Gefahr, nah ans Phrasenschwein gerückt zu werden. „Aber es ist so!" Genau das fordert TTobias Paschert von seinem Personal, müsse in die Köpfe: „Wenn du oben mitspielen willst, geht es nur über die Konstanz." Da gelte der Nachbar Turo Darfeld aus der Vorsaison als leuchtendes Beispiel, denn der Ortsrivale habe humorlos einfach jede Aufgabe gelöst, egal ob gegen eine Spitzenmannschaft oder einen Abstiegskandidaten.

Worms wollen es richten. Sie bringen ihre Vorstellungen zusammen, ergänzen sich auf auf dem Feld als Abwehrorganisator (Paschert) und Offensiv-Antreiber (Worms). Und noch eine Sache vereint sie: Ihre Herzen schlagen für die Zweite Bundesliga. Da tummeln sich mittlerweile ihre Libelingsclubs: Pascherts Hamburger SV schon beinahe als neuer Dino, Worms Schalker neuerdings auch. Dumme Sprüche müssen sie sich allerdings nur selten anhören. „Zum Glück ist unsere Mannschaft sehr Schalkelastig", lächelt der 30-Jährige Coesfelder. „Da bleibt das Thema Profifußball vorsichtshalber meistens außen vor."

Westfalia Osterwick will in der Saison 2021/22 in der Spitzengruppe der Kreisliga A mitmischen: (oben von links) Niklas Boll, Noah Eggemann, Steffen Sicking, Florian Richters, Timon Schüer, Simon Rotthäuser; Mitte von links: Spielertrainer Tobias Paschert, Betreuer Bejamin Raabe, Co-Trainer Roland Kortüm, Luca Thiäner, Ulrich Wirtz, Hannes Grams, Lars Knipper, Betreuer Christian Vörding, Spielertrainer Mario Worms; unten von links: Leon Eggemann, Dominik Chmieleck, Simon Werschmöller, Julian Wensky, Timo Fedders; es fehlen: Timo Mevenkamp, Pascal Leipelt und Sebastian Graute.

Westfalia Osterwick

Abgänge: Tobias Schönnebeck ( aufgehört), Johannes Sicking ( beruflich/standby ), Luis Lammers ( verletzungsbedingt).

Neuzugänge: Simon Rotthäuser ( SG Coesfeld 06), Simon Werschmöller ( II. Mannschaft).

Tor: Dominik Chmieleck, Julian Wensky.

Abwehr: Timo Fedders, Sebastian Graute, Timo Mevenkamp, Tobias Paschert, Timon Schüer, Simon Werschmöller.

Mittelfeld: Niklas Boll, Hannes Grams, Lars Knipper, Pascal Leipelt, Luca Patte, Steffen Sicking, Luca Thiäner, Ulrich Wirtz.

Angriff: Leon Eggemann, Noah Eggemann, Florian Richters, Simon Rotthäuser. Mario Worms.

Trainer: Tobias Paschert (3. Jahr) und Mario Worms (2. Jahr).

Co-Trainer: Roland Kortüm.

Torwarttrainer: Tobias Smolinski.

Betreuer: Benjamin Raabe, Christian Vörding.

Simon Rotthäuser verstärkt die Westfalia

1,5 Neulinge für den Kader

OSTERWICK (fw). Verändert hat sich wenig im Kader, was die beiden Trainer durchaus als Vorteil ansehen. Denn völlig neu aufbauen müssen Tobias Paschert und Mario Worms trotz der langen Corona-Pause nicht. „Wir haben uns sogar noch weiter verjüngt", blickt Paschert auf die wenigen Verschiebungen - zwei gestandene Spieler stehen nicht mehr zur Verfügung, zwei stoßen neu hinzu.

Unter dem Strich sind es aber eher 1,5 Neulinge, denn Simon Werschmöller hat schon in der vergangenen Saison seine Einsätze gehabt, auch wenn er überwiegend für die zweite Mannschaft aufgelaufen ist. „Jetzt gehört er fest zu upserem Kader", erklärt Paschert. Der einzige echte Neuling ist Simon Rotthäuser, der von der. SG Coesfeld 06 zur Westfalia kommt und eine weitere wertvolle Alternative für die Offensivabteilung ist.

Nicht mehr zur Verfügung steht Tobias Schönnebeck, der seine aktive Karriere beendet hat. Auch auf den „Kaiser" kann das Trainer-Duo nicht mehr bauen. „Johannes Sicking arbeitet und wohnt mittlerweile in Dortmund", erklärt Tobias Paschert. Er kann bestenfalls noch im Notfall als „Standby-Kicker" eingeplant werden. Da geht eine Portion Routine verloren, aber dann müssen eben jüngere Kandidaten in die Bresche springen. „Genau darum geht es ja hier in Osterwick", betont Mario Worms. „Wir wollen die Jungs, die von hier kommen, weiterbringen." Sie sollen sich etablieren - das Alter will Worms ohnehin nicht als Ausrede gelten lassen.

Die beiden Trainer und der Neue: Tobias Paschert (links) und Mario Worms (rechts) mit Simon Rotthäuser.