Fußball: Vor 20 Jahren schafft Westfalia Osterwick den Aufstieg in die Bezirksliga

Allgemeine Zeitung -fw- Osterwick. Sein allererstes Training im Westfalia-Stadion hat sich eingebrannt. Als sei es gestern gewesen und nicht schon fast 21 Jahre her. „Eike Nonhoff kommt zu spät“, schüttelt Marco Jedlicka den Kopf. „Und Peter Fedders läuft mit einer Schnitte Brot auf dem Platz herum.“ Willkommen in der Kreisliga – für den Mann, der zahlreiche Regionalliga- und Oberliga-Spiele auf dem Buckel hat, beginnt ein Lernprozess. „Das war ein Kulturschock“, muss er heute lachen. Aber sie gewöhnen sich schnell aneinander, der neue Spielertrainer und seine Osterwicker Fußballer. So schnell, dass am Ende der Saison 2000/01 der Aufstieg in die Bezirksliga gelingt.

Als am 6. Mai 2001 die rot-weiße Party auf dem Gelände der DJK Coesfeld steigt, sind eigentlich noch drei Spieltage auszutragen. Dass die Westfalia den Meistertitel in der A-Liga dennoch schon so frühzeitig eintütet, demonstriert die Qualität des Kaders. „Das lief super“, blickt Jedlicka zurück. Zwar kommen sie etwas schleppend in die Gänge und liegen nach sieben Spielen sieben Zähler hinter Tabellenführer Brukteria Rorup, aber dann starten sie durch: Am zwölften Spieltag übernehmen die Osterwicker erstmals die Tabellenspitze. Weihnachten feiern sie zwar „nur“ mit zwei Punkten Vorsprung auf Rorup, haben aber noch ein Nachholspiel in der Hinterhand.

Marco Jedlicka (rechts) macht Dampf: Der Trainer betätigte sich zugleich als Spielmacher

Und dann kommt das frühzeitige Meisterstück. Im Duell in Coesfeld bringt Marco Wermelt die DJK zwar früh in Führung, aber nur drei Minuten später gleicht André Kerkhoff aus. Und nach der Pause geht es binnen sieben Minuten blitzschnell: Marco Jedlicka, André Kerkhoff per Elfmeter und Eike Nonhoff schießen den 4:1-Sieg heraus – der Rest ist Jubel. „Nach außen hin war angesagt, dass wir die Mannschaft in Ruhe aufbauen wollen“, erinnert sich der Spielertrainer. „Aber insgeheim war natürlich der Anspruch da, ganz oben anzupacken.“ Elf Punkte Vorsprung haben sie am Ende auf Brukteria Rorup und zwölf auf Raspo Coesfeld.

"Da kommt der Peter Fedders beim ersten Training mit einer Schnitte Brot auf den Platz"

Marco Jedlicka und der "Kulturschock Kreisliga" - zu Fedders Verteidigung sei angemerkt, dass er direkt von der Arbeit kam. 

Natürlich ist der heute 51-Jährige erleichtert. Denn die Erwartungen an den neuen Spielertrainer, der gerade noch mit dem VfB Hüls in der Aufstiegsrunde zur Regionalliga gespielt hat, sind groß. Dabei ist es für Jedlicka die erste Trainerstation – mit allen Hindernissen, die dabei zu bewältigen sind. „Du musst immer sehen, dass die Jungs fit sind, darfst dich selbst aber auch nicht vergessen“, erklärt er. Mit 31 Jahren von der Ober- in die Kreisliga zu gehen, dafür hat nicht jeder Verständnis. „Für mich war es der passende Zeitpunkt“, sagt Jedlicka. Sein Sohn Philipp ist gerade geboren, da will er etwas kürzertreten. Wobei das mit dem Job des Spielertrainers nicht so einfach ist. „Trotzdem bin ich froh, dass mich Hermann Roßmöller damals davon überzeugt hat, diesen Weg zu gehen.“

Meister sind sie am Ende, weil sie gut kicken können, aber auch das Drumherum passt. „Wir hatten uns gut verstärkt, unter anderem mit Thorsten Hunger, der mit mir aus Hüls gekommen ist“, blickt Marco Jedlicka zurück. Oder die drei Dülmener Özcan Atalan, Markus Kerkering und Timo Gangloff. Aber auch die Osterwicker Jungs seien prima Kerle gewesen. „Mit Typen wie Peters Fedders oder Thomas Blakert“, lacht er. „Wir hatten richtig Spaß.“

"Die Jungs konntest  du mitten in der Nacht anrufen, damit sie einen Elfmeter schießen Heute würrde keiner mehr ans Telefon gehen."

Marco Jedlicka über seinen "Herzensverein" Westfalia Osterwick und FC Epe un der Unterschied zum heutigen Fußball

Im zweiten Jahr spielt der Aufsteiger in der Bezirksliga eine gute Rolle und wird Siebter. Für Jedlicka ist dann Schluss im Westfalia-Stadion. „Die Verantwortlichen hätten mich gerne gehalten, aber ich wollte noch einmal etwas höher anpacken“, begründet er seinen Wechsel zum Landesligisten Westfalia Gemen. Mit manchen Jungs von damals wie Andreas „Otto“ Ueding oder Michael Eickhoff hat er noch Kontakt – im Herzen bleibt sein erster Trainerjob ohnehin. „Ich hatte in all den Jahren zwei ganz besondere Stationen, das waren Westfalia Osterwick und FC Epe“, versichert der 51-Jährige. Denn da habe immer der Sportverein im Mittelpunkt gestanden, es sei nicht nur um Platzierungen gegangen: „Wir haben zusammen gekämpft und gefeiert.“

Stolzer Vater: Marco Jedlicka mit seinem Sohn Philiipp, der heute unter ihm beim VfB Hüls spielt.