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Kurt Neumann
Kurt Neumann
(1932-40)
Ernst Gibbisch
Ernst Gibbisch
(1945-47)
Gustav Keysers
Gustav Keysers
(1948)
Dr. Antonius Melchers
Dr. Antonius Melchers
(1949-56)
Ehrenvorsitzender
Josef Krekeler
Josef Krekeler
(1956-65 und
1967-73)
Ehrenvorsitzender
Ewald Wensing
Ewald Wensing
(1965-67)
Ewald Belker
Ewald Belker
(1973-92)
Ehrenvorsitzender
Alfons Körbel
Alfons Körbel
(1992-2002)
Dieter Wilger
Dieter Wilger
(Seit 2002)

Dieter Wilger in die Präsidenten-Galerie aufgenommen

Die Galerie der Präsidenten des Sportvereins Westfalia Osterwick ist um ein Gesicht reicher geworden. Gerade ist das Portrait des amtierenden Vorsitzenden Dieter Wilger fertig gestellt und im Sportgebäude am Westfaliastadion in die Reihe der Vereinsvorsitzenden eingefügt worden. Alfons Körbel, der die Führung der Westfalia im März dieses Jahres nach 10 Jahren abgegeben hatte, portraitierte seinen Nachfolger, wie er alle bisherigen Vorsitzenden zum 75jährigen Bestehen des Vereins auf Leinwänden verewigt hatte. Die Potraitreihe ist ein lebendiges Dokument der Vereinsgeschichte der Westfalia.

Chronik der Westfalia von 1923 - 1980

Die Idee des Sportes als Ausdruck der Körperertüchtigung, der Lebensfreude und der Lebensbejahung ist uralt. Denken wir nur an die Olympischen Spiele - 776 v. Chr. begonnen, bei denen die Jugend im Ringen, Diskus und Laufen um den Lorbeerkranz kämpfte. Oder auch an Rom, wo im Colosseum die Wettkämpfe stattfanden. Im Mittelalter beschränkte man sich auf den Reit- und Schießsport. Im 19. Jahrhundert dann kam der Sport als "Volkssport" auf.

Bekannt ist Turnvater Jahn, der bereits 1811 mit sportbegeisterten Jugendlichen in der Hasenheide athletische und gymnastische Übungen betrieb. Die Heide und der Heidesee boten genügend Bade- und Umkleidemög-lichkeiten. In den Schulen begnügte man sich auf Rumpfübungen und Laufen.

In der Mitte des vorigen Jahrhunderts kam in England das Spiel mit dem Lederball auf. Vom Mutterland des Fußballsportes erreichte er dann auch das Festland. Namen wie 1860 München, Hannover 96 oder auch Schalke 04 deuten auf die Gründerzeit hin.

Im Jahre 1919, gleich nach dem 1. Weltkrieg, wurde auch bei uns im Münsterland der Fußballsport populär. Es waren unorganisierte Spiele, zuerst zwischen Dorf und Bauerschaften, dann gegen Holtwick, Asbeck oder auch DJK Coesfeld. Die Spiele fanden auf den Weiden der umliegenden Bauern Lülf, Averdiek oder Müther im Brock statt, die aber meistens nur ein einmaliges Bespielen der Weiden gestatteten. Danach mußten die Tore - aus Tannenstangen gezimmert - wieder auf eine andere Weide transportiert werden. Umkleidekabinen und Duschen gab es noch nicht, die Gastmannschaft konnte sich eventuell auf der Tenne eines Bauern oder bestenfalls eines Wirtes umziehen. 

 Die Leute der ersten Stunde

Einer der Mitbegründer des Osterwicker Sportvereines ist Bernhard Wolters, der als Schriftführer tätig war. Die ersten Spieler waren seine Brüder Clemens und Theo Wolters, Hubert und Franz Kalthoff, Josef Kelliger, Norbert Krekeler, Wilhelm Epping, Karl Dunkerbeck, Heinrich und Ferdinand Nonhoff, August Everding, Franz Vörding sowie die Gebrüder Steinmann. Dazu kamen noch auswärtige Gesellen bei Reinersmann und Kalthoff.

Bekam man einmal nicht 11 Spieler zusammen, lieh man sich Spieler aus Holtwick oder Darfeld aus. Toll, wie sie über die Weiden flitzten, in schwarzer Hose und weißem Hemd. Die meisten wegen fehlender Fußballschuhe in "Landklöppern". Die Schnellsten wurden als Stürmer oder Läufer eingesetzt, die Stämmigsten waren Verteidiger. Einen Schiri brauchten sie nicht, das übernahm einer von den Zuschauern. Er pfiff, wenn der Ball über die Torlinie rollte.

Das Gründungsjahr 

Erst 1923 war die Mannschaft so gefestigt, daß man von einem "Verein" sprechen konnte. Franz Kalthoff hatte die Aufgabe übernommen, die Freundschaftsspiele mit anderen Vereinen zu vermitteln. Josef Kelliger war der erste Kassierer. Man trat 1923 der DJK -Deutsche Jugendkraft- bei. Der Bezirks-, Spiel- und Sport-wart dieses katholischen Verbandes von Sportvereinen, Josef Seidensticker, schreibt: 1922 gab es in unserem Bezirk ganze 6 Fußballmannschaften. Osterwick war noch nicht im Kreisnachrichtenblatt "Rhein-Weser" erschienen, wohl aber 1924. Daher muss sich Osterwick im Jahre 1923 zum Spielbetrieb als Verein angemeldet haben.

Von der 1. Gründungsversammlung gibt es keine Unterlagen. Eine offizielle Versammlung hat es wohl nicht gegeben

Als Mitglied im Kath. Verband gebrauchten die Spieler einen "geistlichen Beirat", der war seit 1923 Kaplan Wansing, später Pfarrer von Laer. Er setzte sich sehr für die jugendlichen Fußballer ein und verhalf ihnen zur Platzbeschaffung. Auch sein Nachfolger, Vikar Beckhoff, brachte dem neuen Verein großes Interesse entgegen.

Anekdoten aus der Gründerzeit

Bernhard Wolters, heute 93 Jahre alt, erzählt gerne aus den Gründerjahren einige Döhnkes. Zu den Nachbar-dörfern ging es per Fahrrad, oft zu zweit auf einem Rad. Der Zweite stand dann hinten auf dem "Pinn". In Holtwick spazierte Bauer Wigger mit seinem großen Jagdhund über seine Wiese, auf der wir gerade spielten. Er trat auch mal gegen den Ball, wenn es ihm in den Sinn kam. Häufiger lud er uns auch nach dem Spiel zum Kaffee ein. Dann saßen wir gemütlich auf der Tenne bei Kaffee und Kuchen, und die Kühe und Pferde schauten zu.

In Asbeck zogen wir uns auf der Tenne der Wirtschaft um. Nach dem Spiel goss die Oma ein paar Eimer Wasser in einen Bottich, das war unsere Waschgelegenheit. Für das Waschen der Kluft waren unsere Mütter zuständig. Nicht selten zierten noch Reste eines Kuhfladens die Hose.

Zum Sportplatz ging es bei einem Heimspiel zuerst mal mit Gesang durchs Dorf. Nach dem Spiel, egal ob wir gewonnen oder verloren hatten, gönnten wir uns in gemütlicher Runde noch einige Bierchen.

Kriminell wurde es gelegentlich, als ein Bauer sich beim Amt beschwerte, daß die Torstangen nicht entfernt waren. Unter den Augen des Dorfpolizisten trugen die Spieler die Stangen dann zu einer anderen Weide. Soweit die Erinnerungen des wohl ältesten und noch lebenden Mitbegründers von "Westfalia".

1. Sportplatz 1926

Die Voraussetzungen für einen geregelten Sportbetrieb verbesserten sich 1926, als die Gemeinde und Kir-chengemeinde auf Drängen der Spieler einen Platz an der Coesfelder Straße, nahe Clasvogt/Röschenkemper, anpachtete. Der Besitzer war Brinkhaus, Darfeld, und das in der Nähe gelegene "Vikars Büschken" diente als Umkleidekabine und wurde notfalls als Toilette genutzt. Das Protokoll der Sitzungen des Osterwicker Gemeinderates gibt darüber Auskunft:

1925 wird die Anpachtung eines genügend großen Spiel- und Sportplatzes an dem in Aussicht genommenen Grundstücks von Brinkhaus Darfeld zum Einheitswert von 40 M pro Morgen einstimmig genehmigt.

1927: Der Antrag des Spiel- und Sportvereins auf Lieferung eines Sprungbretts für eine Weitsprunganlage wird einstimmig genehmigt.

Bis 1930 betrieb man den Fußballsport auf dem sehr ungünstigen und weit vom Dorf gelegenen Sportplatz an der Coesfelder Straße, dann ist in der Gemeindechronik zu lesen: Die Instandsetzung des Grundstücks "Vogelstange" an der Darfelder Chaussee wird beschlossen, die Arbeiten werden dem Unternehmer Middeler übertragen.

Also dort, wo das Vogelschießen stattfand, gab es einen neuen Platz. Aber der erwies sich als viel zu klein, oftmals mußte der Ball im benachbarten Kornfeld des Bauern Ostendorf gesucht werden.

 Erweiterung des Spielbetriebes

Schon damals hatte man die Wichtigkeit der Jugendarbeit erkannt. Eine Jugend- und später auch eine Schülermannschaft wurden ins Leben gerufen. Es war eine gute Zeit für den Sportverein, die Kameradschaft war

hervorragend. Wenn auch Adolf Wolbeck, der im Lieferwagen der Eiergroßhandlung die Spieler zu den benachbarten Ortschaften fuhr, als Torwart nicht immer überzeugend fungierte.

Von 1933 bis zum 2. Weltkrieg

Zuerst "bescherte" 1933 das Tausendjährige Reich die Auflösung aller Jugendverbände, somit auch der DJK. Die erste kalte Dusche kam für den damaligen Kassierer Josef Krekeler, als in der Morgenfrühe der Dorfpolizist heranrückte und die gesamten Papiere und die Kasse beschlagnahmte. Der gutmütige Polizist sah darüber hinweg, daß er nur unwesentliche Papiere bekam und auch die Kasse vor Übergabe bis auf einige Mark redu-ziert worden war. Das bedeutete natürlich das Aus für die DJK. Es gab dann noch einen gemütlichen Abend mit Vorstand und Aktiven im Vereinslokal, wo der Rest der Kasse in Bier aufging.

In der Zeit von 1932 bis 1940 war Kurt Neumann, ein ehemaliger Leichtathlet, Vorsitzender des Sportverei-nes. Er war Inhaber der Verdienstmedaille für die Mitarbeit bei den Olympischen Spielen 1936. Obwohl der Sport im Dritten Reich gefördert wurde, war dies eine schwere Zeit für den Sportverein, besonders im 2. Weltkrieg. Die Finanz- und Mannschaftsschwierigkeiten wurden immer größer, einer nach dem anderen be-kam den Einberufungsbescheid. Aufgrund des Krieges mußten 1942 die letzten sportlichen Aktivitäten einge-stellt werden.

Neuer Sportplatz im Kleining

Im Jahre 1932 hatte der Osterwicker Rat ein Sportplatzgelände im Kleining "im Interesse der Jugend" erworben. 1933, nach der Machtergreifung, führte der neugeschaffene Reichsarbeitsdienst umfangreiche Erdarbeiten durch, um dieses Gelände in einen

Übungsplatz für die SA, die Reiter-SA und für die Hitlerjugend zu verwandeln. Ringsum wurde ein Wall angelegt, an der Ostseite entstand. eine Schießanlage mit Schießhalle, die nach dem Krieg vorübergehend als Wohnhaus für den Platzwart diente.


Wiederbeginn nach dem 2. Weltkrieg

Um so erstaunlicher war die Tatsache, daß trotz der vielen gefallenen Soldaten, der Toten in der Heimat und der enormen Zahl der Kriegsgefangenen bereits 1946 der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden konnte. Auch die Fahrten in andere Spielorte bereiteten den Verantwortlichen einige Probleme.

Im Spielbetrieb dabei waren auch die Gebrüder Steinmann, die jüdischer Abstammung waren. Sie verfügten über einen Bus , "Roter Panther" genannt, und fuhren damit häufiger die Mannschaften zu den Auswärtsspielen. Wenig später dann übernahm die Fa. Reinersmann diese Fahrten, zuerst mit einem Holzgasbus. 

Wiedergründungsversammlung 1946

Bei der Wiedergründungsversammlung im Jahre 1946 wurde die Frage des erneuten Beitritts zur DJK beraten. Eine Abordnung erkundete die Meinung des damaligen Dechants Fortkamp. Er sagte: Wenn ihr selber die Leitung übernehmt, ist ja alles in Ordnung. Die DJK ist nicht notwendig. Damit war dieses Thema erledigt.

Übrigens, im Zusammenhang mit dieser Gründungsversammlung gab es noch Schwierigkeiten. Damals war in Osterwick die belgische Besatzungsmacht, und es bestand ein Ausgehverbot ab 19 Uhr. Beim Heimschleichen nach der Versammlung (sie werden wohl nicht so leise geschlichen sein) wurden Willi Schräder, Werner Der-cken, Hubert Benning und Heinz Sicking erwischt und kamen ins Gefängnis im Feuerwehrturm. Am anderen Morgen wurden sie verhört. Die Belgier glaubten, sie hätten Nazi-Lieder statt der Fußball-Lieder gesungen, und sie mussten Gewehre putzen, Panzer waschen und Schweineställe ausmisten. Am Abend kamen sie wieder in Freiheit.

Der erste Spielbetrieb der neuen Westfalia wurde von auswärtigen Spielern aus dem Industriegebiet belebt, die aus Mangel an Lebensmitteln ins Münsterland strömten. Genannt seien Gibbisch, Kaiser, Kelle und Haneke. In der Wiedergründungsversammlung wurde Ernst Gibbisch als Erster Vorsitzender gewählt. Er war ein exzellenter Fußballer und bei den Engländern im Schloß Varlar beschäftigt. Dort konnte er auch allerlei Nützliches an Land ziehen, sogar einen

Lederball. Er organisierte auch ein Fußballspiel gegen die Engländer, die mit 2 funkelnagelneuen Lederbällen anrückten. Einer flog ins benachbarte Roggenfeld und konnte nicht wiedergefunden werden. Aber diese Form der Materialbeschaffung klappte nur einmal, Improvisation und Entbehrungen waren ansonsten weiterhin an der Tagesordnung.

Kassierer und Schriftführer war von 1946 bis 1952 Franz-Josef Veltkamp. Gern erzählt er aus der damaligen Zeit: Durch drei Spieler aus dem Kohlenpott verstärkt, hatten wir eine gute Mannschaft. Den Dreien ging es in erster Linie um Lebensmittel, daher wurde schon vor dem Spiel die Beschaffung geregelt. Du bringst zwei Pfund Mehl mit, du ein Stück Speck oder Kartoffeln und Eier. Manche Mutter staunte am Sonntagmorgen, dass die Hühner so schlecht gelegt hatten.

Als Kassierer hatte ich nicht viel zu tun. Ich sammelte im Bus und auf dem Platz das geringe Eintrittsgeld ein, oft reichte es nicht einmal für den Schiedsrichter. Besonders gut erinnere ich mich an ein Meisterschaftsspiel gegen Gescher, dort traten gleich zwei "Unfälle" auf. Heinz Wolters verlor sein Gebiss und Karl Krekeler sein Glasauge. Der Schiri hatte ein Einsehen, unterbrach das Spiel, und alle durchkämmten systematisch den Platz. Erst als beides wiedergefunden war, konnte das Spiel weitergehen. Und in Maria-Veen rannte ein Ka-ninchen Ernst Elkemann direkt vor die Nase. Er ließ Spiel Spiel sein und verfolgte das Karnickel. Erst als es sich in einer Höhle verkrochen hatte, dachte er wieder ans Fußballspiel.

Erste Breitensport-Ansätze

In diese Zeit fallen auch die ersten Versuche, den Sportbetrieb in Osterwick auszuweiten. Eine Boxabteilung wurde gegründet, die jeden Mittwochabend im alten Veltkampschen Saal trainierte. Sonntags war dann "Schau-boxen". Nach zwei Jahren erloschen die Aktivitäten der Abteilung.

Gute Boxer waren E. Gibbisch, Max Schilling, Böhle, Schulz, Juthewitz, Hülsken, Dröger, Steinmann und Hermann Wensky, Letzterer mußte wohl häufig einstecken.
Auch das Schachspiel war vorübergehend bei Westfalia möglich. Aber nach kurzer Zeit hieß es Schach-Matt für die Brettspezialisten.

Finanzierungs-Quellen

Nicht unerwähnt bleiben soll das Theaterspiel. Um die Kasse aufzufrischen, kam man auf die Idee, den da-mals hoch im Kurs stehenden Film von Heinz Rühmann , die "Feuerzangenbowle", als Theaterstück aufzuführen. Der Film wurde umgeschrieben, und das Stück wurde mehrere Male mit großem Erfolg im Veltkampschen Saal aufgeführt. Als wahre Theaterkanonen entpuppten sich dabei auf den Brettern, die die Welt bedeuten, die Gebrüder Schulte Rebbelmund und Keysers. Herbert Keysers brillierte als "Pfeiffer" und sorgte für viel Applaus.

Auch die Gemeinde beteiligte sich an der Finanzierung des Sportbetriebs. Einstimmig wurden die Versicherungskosten der Jahre 1948/49 in Höhe von DM 196 übernommen sowie eine Beihilfe von bis zu DM 100 für die Beschaffung von Werbeplakaten und Sportgeräten beschlossen. Außerdem gab es in den drei Jahr-zehnten nach 1945 einen jährlichen Zuschuß von DM 300 für die Jugendarbeit.

Der Fußball nach 1945

Bereits im Jahre 1946 rollte der Ball in Osterwick wieder um Meisterschaftspunkte. Westfalia belegte auf An-hieb nach einer tollen Kurzsaison den 2. Platz hinter Raspo Coesfeld. Das Spiel in Coesfeld gewann Osterwick mit 2:0, aber das letzte entscheidende Spiel gegen Gescher ging 3:4 verloren.

Westfalia spielte auch in den Folgejahren guten und gepflegten Fußball und war durchweg im oberen Tabel-lenbereich zu finden. Der Spielerkreis vergrößerte sich ständig, so daß auch eine zweite Mannschaft ins Spielgeschehen eingriff.

Bezirksklasse in Sicht

Den bis dahin absoluten sportlichen Höhepunkt gab es nach der Saison 1952/53 zu feiern. Ein 2:0 Sieg in Billerbeck bedeutete die Meisterschaft in der 1. Kreisklasse. Als Meister war Westfalia natürlich berechtigt, in die Bezirksklasse aufzusteigen. Eine eiligst einberufene General-versammlung entschied sich mit Zweidrittel-Mehrheit gegen den Aufstieg. Die zusätzlichen Kosten wie Bustransfer zu den entfernter liegenden Gegnern der Bezirksklasse erschienen wohl zu hoch. Auf eine erneute Aufstiegschance allerdings mussten die Verantwortlichen länger warten, als sie es 1953 erhofft hatten.

Der Verzicht auf den Aufstieg in die Bezirksklasse wirkte sich nicht positiv auf die Motivation der Fußballer aus. In der Folgezeit zog es den ein oder anderen Kicker zu einem Verein mit vielleicht besseren sportlichen Herausforderungen. Westfalia verließ zweimal die A-Klasse und stieg sowohl 1962 als auch 1969 als Meister der B-Klasse wieder auf. Seit dieser Zeit aber spielte Westfalias "Erste" bis zum Jahre 1980 in der 1. Kreisklasse und konnte sich immer zwischen dem 3. und 8. Platz behaupten.

Westfalia Fahne VorderseiteWestfalia Fahne Rückseite

Die Fahne der Westfalia mit Vorder- und Rückseite. Die Fahne wurde zum 50jähigen Bestehen Westfalias angeschafft, vorher existierte keine Fahne, was zur Folge hatte, dass der Verein zu wichtigen Anlässen nicht in Erscheinung treten konnte. Die Fahne wurde anlässlich des 75jährigen Jubiläums gereinigt und überarbeitet und mit einem Jubiläumsanhängsel versehen.

Die 1. Mannschaft

Kreisliga in den 70ern

Nachdem in den 60er Jahren die 1. Fußballmannschaft kurze Gastspiele in der 2. Kreisklasse absolvieren musste, gelang in der Spielzeit 1968/69 der Wiederaufstieg in die heutige Kreisliga A. In den Folgejahren hatte die Mannschaft stets einen guten Mittelfeldplatz inne. Zum Sprung in die Tabellenspitze reichte es jedoch nur in der Saison 1973/74, als man nach einer völlig verkorksten Hinrunde (Platz 11 mit 14:16 Punkten) zwölf Spiele hintereinander gewinnen konnte und in der Rückrunde insgesamt nur vier Punkte abgab. Es reichte dann zum Schluss noch zum 3. Tabellenplatz. Die Spielzeiten danach brachten zwar immer wieder gute Spiele, vor allem gegen Spitzenmannschaften, der große Durchbruch gelang jedoch nicht. Das Beständige an der Mannschaft war ihre Unbeständigkeit. Diese Situation sollte sich ab der Spielzeit 1980/81 grundlegend ändern. Der Verein verpflichtete für die neue Saison einen Spielertrainer, mit Namen Karl Heinz Reimann.

Er kam von Emsdetten 05, wo er 14 Jahre in der Verbandsligamannschaft des Vereins gespielt hatte. Dieser Mann sollte später Westfaliageschichte schreiben. Es würde hier sicherlich zu weit führen, alle Details des Erfolges zu nennen, festzustellen bleibt die Tatsache, dass für die Westfalia ein neues Zeitalter in Sachen Fußball angebrochen war. Die Euphorie, die sich im Laufe dieser Saison entwickelte, beschränkte sich zur Überraschung aller nicht nur auf den Sportverein. Eine ganze Dorfgemeinschaft hatte Feuer gefangen. Verglichen mit einem Schlachtruf der heutigen Zeit könnte man sagen: "Steht auf, wenn Ihr Westfalia seid!" Nach einem misslungenen Saisonstart marschierten die Mannen um K. H. Reimann im Verlaufe der Saison unaufhaltsam zur Tabellenspitze. Die oftmals kärglichen Zuschauerzahlen gehörten bald der Vergangenheit an. Nicht selten pilgerten mehr als 500 Zuschauer zu den Heimspielen ins Westfalia Stadion.

Erste Bezirksliga-Zeit

Zur Dramaturgie der Saison 1980/81 gehörte sicherlich auch, dass selbst der 30. und letzte Spieltag keine Entscheidung über Meisterschaft und Aufstieg brachte. Punktgleich mit der Reserve des ASC Schöppingen musste die Westfalia zu einem Entscheidungsspiel antreten. Das Zittern um den Aufstieg ging also weiter. Am Mittwoch, den 03. Juni 1981, um 19.00 Uhr sollte auf neutralem Gelände beim Rasensport Coesfeld die Entscheidung fallen. Die nachfolgenden Pressedokumentationen zu diesem Spiel sollen die Spannung und Dramatik dieser Tage eindrucksvoll wiedergeben.

Der Aufstieg war also geschafft, das Erreichte galt es nun abzusichern. Getragen von einer riesigen Euphorie und der tatkräftigen Unterstützung der Zuschauer gelang es der Mannschaft, den von vielen prophezeiten Abstieg zu verhindern. Beachtlich war vor allem das weiterhin steigende Zuschauerinteresse an der Westfalia. In den Heimspielen gegen Gronau, Metelen und Gescher bevölkerten zeitweilig 1200 Besucher und mehr das Westfalia Stadion. Besonders zu erwähnen war die Tatsache, dass durchweg Spieler aus Osterwick in der Mannschaft spielten. In der Bezirksklasse galt dieses als Novum. Die hervorragende Jugendarbeit in den Jahren zuvor hatte sich bereits bezahlt gemacht. So gelang es der Mannschaft, sich in den folgenden Jahren in der Bezirksklasse zu

etablieren. War anfangs der Blick noch in die unteren Regionen der Tabelle gerichtet, gegen Ende der 80er Jahre sollte sich auch dieses ändern. In der Saison 1988/89 holte die Mannschaft erstmals den Herbstmeistertitel in der Bezirksklasse, am Ende reichte es jedoch "nur" zum 5. Tabellenplatz. Die Leistung der Mannschaft mit ihrem Trainer K. H. Peiler war durchaus beachtenswert.

1989/90 gelang es den Verantwortlichen der Westfalia wieder einmal, einen hochkarätigen Spielertrainer zu verpflichten. Dieser hieß Rainer Urban, kam aus Haltern und hatte fast 10 Jahre in der höchsten deutschen Amateuerklasse gespielt. Mit seinem letzten Verein, der SpVgg. Erkenschwick, war er zuletzt 1987 Westfalenmeister geworden. Neben seinen spielerischen Qualitäten überzeugte er vor allem als Motivationskünstler. Wenn das erste Jahr seiner Tätigkeit bei der Westfalia noch als Gesellenstück bezeichnet werden konnte, so gelang ihm im darauffolgenden Jahr, in der Saison 1990/91, sein Meisterstück.

Am 30. Mai 1991 war es amtlich. Westfalia Osterwick war Meister der Bezirksliga und damit Aufsteiger in die Landesliga. Ein kleiner Dorfverein spielte zukünftig im Konzert der Großen aus Münster, Recklinghausen, Emsdetten, Dülmen usw.

Landesliga

Unter den Vereinen des politischen Kreises Coesfeld waren TSG Dülmen und Westfalia Osterwick die einzigen Vertreter auf dieser Ebene. Dabei hat den Fußballkenner vor allen Dingen überrascht, mit welcher Selbstverständlichkeit die Mannschaft während der gesamten Spielzeit die Mitbewerber in Schach hielt. Ab dem 7. Spieltag übernahmen sie die Tabellenführung und gaben sie bis zum letzten Spieltag nicht mehr ab. Dabei wurden in dreißig Spielen 20 Siege und fünf Unentschieden errungen. Nur fünfmal verließ die Elf als Verlierer den Platz. Mit dem besten Torverhältnis aller 16 Mannschaften glückte schon zwei Spieltage vor Saisonende der Aufstieg in die Landesliga. Die frühe Entscheidung in der Meisterschaft führte natürlich dazu, dass Fans und Mannschaft gleich mehrfach das große Ereignis feiern konnten. Beim letzten Heimspiel genossen einige 100 Zuschauer und Spieler mit reichlich Freibier den wohl größten Erfolg in der Vereinsgeschichte.

Einen wesentlichen Anteil an diesem sportlichen Höhepunkt hatte der Spielertrainer Rainer Urban. Übrigens lag der in Osterwick unvergessene Aufstieg in die Bezirksliga genau 10 Jahre zurück. Man war sich bei der Westfalia einig: "So konnte es weitergehen."

Das erste Jahr in der Landesliga gestaltete sich für das Team von Westfalia Osterwick äußerst positiv. Der neue Trainer Dieter van Deenen konnte auf einen Kader zurückgreifen, der gegenüber dem Aufstiegsjahr auf wichtigen Positionen noch verstärkt wurde. So kamen aus der A-Jugendmannschaft des SC Preußen Münster junge Spieler wie Paolo Vilas Boas und Bernd Altrogge und von Germania Horstmar der Allrounder Rolf Kosakowski zum Team. Getragen von einer großen Euphorie konnte die Scheu vor großen Namen bald abgelegt werden. Die Mannschaft etablierte sich im Tabellenmittelfeld der Landesliga. Immer wieder gelang es Rainer Urban und Co., selbst hohen Favoriten wie Emsdetten 05, Preußen Münster II oder den Mannschaften aus Recklinghausen und Waltrop, eins auszuwischen. Am Ende belegte man den 9. Tabellenplatz mit fast ausgeglichenem Punktekonto.

Wiederabstieg in die Bezirksliga

Die Saison danach stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Einige Spieler hatten den Verein verlassen, andere wichtige Leistungsträger mühten sich mit langwierigen Verletzungen ab. Als Folge rutsche die Mannschaft vom ersten Spieltag an in den Tabellenkeller, und diese Position konnte bis zum Schluss "gehalten" werden. Nach einigen zum Teil empfindlichen Niederlagen, z.B. gegen die Halbprofis der SG Hillen musste der Abstieg in die Bezirksliga akzeptiert werden.

Das Abenteuergastspiel in der höheren Fußballregion hatte also zwei Jahre gedauert. Der Fußballalltag war in Osterwick wieder eingekehrt, so mochte man glauben. Weit gefehlt! Mit Blick auf benachbarte Vereine wie Coesfeld, Gescher oder Billerbeck kann durchaus mit Stolz festgestellt werden: Fast 20 Jahre Bezirksliga stehen für eine kontinuierliche und gute Vereinsarbeit. Garant hierfür ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit vieler Idealisten. Den Herausforderungen der Zukunft kann die Westfalia optimistisch entgegensehen.

Hier endet die Chronik zum 75jährigen Geburtstag der Westfalia. Es folgte im Jubiläumsjahr 1998 der Abstieg in die Kreisliga A und der Wiederaufstieg 2001 in die Bezirksliga.