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Die 1. Mannschaft

Kreisliga in den 70ern

Nachdem in den 60er Jahren die 1. Fußballmannschaft kurze Gastspiele in der 2. Kreisklasse absolvieren musste, gelang in der Spielzeit 1968/69 der Wiederaufstieg in die heutige Kreisliga A. In den Folgejahren hatte die Mannschaft stets einen guten Mittelfeldplatz inne. Zum Sprung in die Tabellenspitze reichte es jedoch nur in der Saison 1973/74, als man nach einer völlig verkorksten Hinrunde (Platz 11 mit 14:16 Punkten) zwölf Spiele hintereinander gewinnen konnte und in der Rückrunde insgesamt nur vier Punkte abgab. Es reichte dann zum Schluss noch zum 3. Tabellenplatz. Die Spielzeiten danach brachten zwar immer wieder gute Spiele, vor allem gegen Spitzenmannschaften, der große Durchbruch gelang jedoch nicht. Das Beständige an der Mannschaft war ihre Unbeständigkeit. Diese Situation sollte sich ab der Spielzeit 1980/81 grundlegend ändern. Der Verein verpflichtete für die neue Saison einen Spielertrainer, mit Namen Karl Heinz Reimann.

Er kam von Emsdetten 05, wo er 14 Jahre in der Verbandsligamannschaft des Vereins gespielt hatte. Dieser Mann sollte später Westfaliageschichte schreiben. Es würde hier sicherlich zu weit führen, alle Details des Erfolges zu nennen, festzustellen bleibt die Tatsache, dass für die Westfalia ein neues Zeitalter in Sachen Fußball angebrochen war. Die Euphorie, die sich im Laufe dieser Saison entwickelte, beschränkte sich zur Überraschung aller nicht nur auf den Sportverein. Eine ganze Dorfgemeinschaft hatte Feuer gefangen. Verglichen mit einem Schlachtruf der heutigen Zeit könnte man sagen: "Steht auf, wenn Ihr Westfalia seid!" Nach einem misslungenen Saisonstart marschierten die Mannen um K. H. Reimann im Verlaufe der Saison unaufhaltsam zur Tabellenspitze. Die oftmals kärglichen Zuschauerzahlen gehörten bald der Vergangenheit an. Nicht selten pilgerten mehr als 500 Zuschauer zu den Heimspielen ins Westfalia Stadion.

Erste Bezirksliga-Zeit

Zur Dramaturgie der Saison 1980/81 gehörte sicherlich auch, dass selbst der 30. und letzte Spieltag keine Entscheidung über Meisterschaft und Aufstieg brachte. Punktgleich mit der Reserve des ASC Schöppingen musste die Westfalia zu einem Entscheidungsspiel antreten. Das Zittern um den Aufstieg ging also weiter. Am Mittwoch, den 03. Juni 1981, um 19.00 Uhr sollte auf neutralem Gelände beim Rasensport Coesfeld die Entscheidung fallen. Die nachfolgenden Pressedokumentationen zu diesem Spiel sollen die Spannung und Dramatik dieser Tage eindrucksvoll wiedergeben.

Der Aufstieg war also geschafft, das Erreichte galt es nun abzusichern. Getragen von einer riesigen Euphorie und der tatkräftigen Unterstützung der Zuschauer gelang es der Mannschaft, den von vielen prophezeiten Abstieg zu verhindern. Beachtlich war vor allem das weiterhin steigende Zuschauerinteresse an der Westfalia. In den Heimspielen gegen Gronau, Metelen und Gescher bevölkerten zeitweilig 1200 Besucher und mehr das Westfalia Stadion. Besonders zu erwähnen war die Tatsache, dass durchweg Spieler aus Osterwick in der Mannschaft spielten. In der Bezirksklasse galt dieses als Novum. Die hervorragende Jugendarbeit in den Jahren zuvor hatte sich bereits bezahlt gemacht. So gelang es der Mannschaft, sich in den folgenden Jahren in der Bezirksklasse zu

etablieren. War anfangs der Blick noch in die unteren Regionen der Tabelle gerichtet, gegen Ende der 80er Jahre sollte sich auch dieses ändern. In der Saison 1988/89 holte die Mannschaft erstmals den Herbstmeistertitel in der Bezirksklasse, am Ende reichte es jedoch "nur" zum 5. Tabellenplatz. Die Leistung der Mannschaft mit ihrem Trainer K. H. Peiler war durchaus beachtenswert.

1989/90 gelang es den Verantwortlichen der Westfalia wieder einmal, einen hochkarätigen Spielertrainer zu verpflichten. Dieser hieß Rainer Urban, kam aus Haltern und hatte fast 10 Jahre in der höchsten deutschen Amateuerklasse gespielt. Mit seinem letzten Verein, der SpVgg. Erkenschwick, war er zuletzt 1987 Westfalenmeister geworden. Neben seinen spielerischen Qualitäten überzeugte er vor allem als Motivationskünstler. Wenn das erste Jahr seiner Tätigkeit bei der Westfalia noch als Gesellenstück bezeichnet werden konnte, so gelang ihm im darauffolgenden Jahr, in der Saison 1990/91, sein Meisterstück.

Am 30. Mai 1991 war es amtlich. Westfalia Osterwick war Meister der Bezirksliga und damit Aufsteiger in die Landesliga. Ein kleiner Dorfverein spielte zukünftig im Konzert der Großen aus Münster, Recklinghausen, Emsdetten, Dülmen usw.

Landesliga

Unter den Vereinen des politischen Kreises Coesfeld waren TSG Dülmen und Westfalia Osterwick die einzigen Vertreter auf dieser Ebene. Dabei hat den Fußballkenner vor allen Dingen überrascht, mit welcher Selbstverständlichkeit die Mannschaft während der gesamten Spielzeit die Mitbewerber in Schach hielt. Ab dem 7. Spieltag übernahmen sie die Tabellenführung und gaben sie bis zum letzten Spieltag nicht mehr ab. Dabei wurden in dreißig Spielen 20 Siege und fünf Unentschieden errungen. Nur fünfmal verließ die Elf als Verlierer den Platz. Mit dem besten Torverhältnis aller 16 Mannschaften glückte schon zwei Spieltage vor Saisonende der Aufstieg in die Landesliga. Die frühe Entscheidung in der Meisterschaft führte natürlich dazu, dass Fans und Mannschaft gleich mehrfach das große Ereignis feiern konnten. Beim letzten Heimspiel genossen einige 100 Zuschauer und Spieler mit reichlich Freibier den wohl größten Erfolg in der Vereinsgeschichte.

Einen wesentlichen Anteil an diesem sportlichen Höhepunkt hatte der Spielertrainer Rainer Urban. Übrigens lag der in Osterwick unvergessene Aufstieg in die Bezirksliga genau 10 Jahre zurück. Man war sich bei der Westfalia einig: "So konnte es weitergehen."

Das erste Jahr in der Landesliga gestaltete sich für das Team von Westfalia Osterwick äußerst positiv. Der neue Trainer Dieter van Deenen konnte auf einen Kader zurückgreifen, der gegenüber dem Aufstiegsjahr auf wichtigen Positionen noch verstärkt wurde. So kamen aus der A-Jugendmannschaft des SC Preußen Münster junge Spieler wie Paolo Vilas Boas und Bernd Altrogge und von Germania Horstmar der Allrounder Rolf Kosakowski zum Team. Getragen von einer großen Euphorie konnte die Scheu vor großen Namen bald abgelegt werden. Die Mannschaft etablierte sich im Tabellenmittelfeld der Landesliga. Immer wieder gelang es Rainer Urban und Co., selbst hohen Favoriten wie Emsdetten 05, Preußen Münster II oder den Mannschaften aus Recklinghausen und Waltrop, eins auszuwischen. Am Ende belegte man den 9. Tabellenplatz mit fast ausgeglichenem Punktekonto.

Wiederabstieg in die Bezirksliga

Die Saison danach stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Einige Spieler hatten den Verein verlassen, andere wichtige Leistungsträger mühten sich mit langwierigen Verletzungen ab. Als Folge rutsche die Mannschaft vom ersten Spieltag an in den Tabellenkeller, und diese Position konnte bis zum Schluss "gehalten" werden. Nach einigen zum Teil empfindlichen Niederlagen, z.B. gegen die Halbprofis der SG Hillen musste der Abstieg in die Bezirksliga akzeptiert werden.

Das Abenteuergastspiel in der höheren Fußballregion hatte also zwei Jahre gedauert. Der Fußballalltag war in Osterwick wieder eingekehrt, so mochte man glauben. Weit gefehlt! Mit Blick auf benachbarte Vereine wie Coesfeld, Gescher oder Billerbeck kann durchaus mit Stolz festgestellt werden: Fast 20 Jahre Bezirksliga stehen für eine kontinuierliche und gute Vereinsarbeit. Garant hierfür ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit vieler Idealisten. Den Herausforderungen der Zukunft kann die Westfalia optimistisch entgegensehen.

Hier endet die Chronik zum 75jährigen Geburtstag der Westfalia. Es folgte im Jubiläumsjahr 1998 der Abstieg in die Kreisliga A und der Wiederaufstieg 2001 in die Bezirksliga.