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Wiederbeginn nach dem 2. Weltkrieg

Um so erstaunlicher war die Tatsache, daß trotz der vielen gefallenen Soldaten, der Toten in der Heimat und der enormen Zahl der Kriegsgefangenen bereits 1946 der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden konnte. Auch die Fahrten in andere Spielorte bereiteten den Verantwortlichen einige Probleme.

Im Spielbetrieb dabei waren auch die Gebrüder Steinmann, die jüdischer Abstammung waren. Sie verfügten über einen Bus , "Roter Panther" genannt, und fuhren damit häufiger die Mannschaften zu den Auswärtsspielen. Wenig später dann übernahm die Fa. Reinersmann diese Fahrten, zuerst mit einem Holzgasbus. 

Wiedergründungsversammlung 1946

Bei der Wiedergründungsversammlung im Jahre 1946 wurde die Frage des erneuten Beitritts zur DJK beraten. Eine Abordnung erkundete die Meinung des damaligen Dechants Fortkamp. Er sagte: Wenn ihr selber die Leitung übernehmt, ist ja alles in Ordnung. Die DJK ist nicht notwendig. Damit war dieses Thema erledigt.

Übrigens, im Zusammenhang mit dieser Gründungsversammlung gab es noch Schwierigkeiten. Damals war in Osterwick die belgische Besatzungsmacht, und es bestand ein Ausgehverbot ab 19 Uhr. Beim Heimschleichen nach der Versammlung (sie werden wohl nicht so leise geschlichen sein) wurden Willi Schräder, Werner Der-cken, Hubert Benning und Heinz Sicking erwischt und kamen ins Gefängnis im Feuerwehrturm. Am anderen Morgen wurden sie verhört. Die Belgier glaubten, sie hätten Nazi-Lieder statt der Fußball-Lieder gesungen, und sie mussten Gewehre putzen, Panzer waschen und Schweineställe ausmisten. Am Abend kamen sie wieder in Freiheit.

Der erste Spielbetrieb der neuen Westfalia wurde von auswärtigen Spielern aus dem Industriegebiet belebt, die aus Mangel an Lebensmitteln ins Münsterland strömten. Genannt seien Gibbisch, Kaiser, Kelle und Haneke. In der Wiedergründungsversammlung wurde Ernst Gibbisch als Erster Vorsitzender gewählt. Er war ein exzellenter Fußballer und bei den Engländern im Schloß Varlar beschäftigt. Dort konnte er auch allerlei Nützliches an Land ziehen, sogar einen

Lederball. Er organisierte auch ein Fußballspiel gegen die Engländer, die mit 2 funkelnagelneuen Lederbällen anrückten. Einer flog ins benachbarte Roggenfeld und konnte nicht wiedergefunden werden. Aber diese Form der Materialbeschaffung klappte nur einmal, Improvisation und Entbehrungen waren ansonsten weiterhin an der Tagesordnung.

Kassierer und Schriftführer war von 1946 bis 1952 Franz-Josef Veltkamp. Gern erzählt er aus der damaligen Zeit: Durch drei Spieler aus dem Kohlenpott verstärkt, hatten wir eine gute Mannschaft. Den Dreien ging es in erster Linie um Lebensmittel, daher wurde schon vor dem Spiel die Beschaffung geregelt. Du bringst zwei Pfund Mehl mit, du ein Stück Speck oder Kartoffeln und Eier. Manche Mutter staunte am Sonntagmorgen, dass die Hühner so schlecht gelegt hatten.

Als Kassierer hatte ich nicht viel zu tun. Ich sammelte im Bus und auf dem Platz das geringe Eintrittsgeld ein, oft reichte es nicht einmal für den Schiedsrichter. Besonders gut erinnere ich mich an ein Meisterschaftsspiel gegen Gescher, dort traten gleich zwei "Unfälle" auf. Heinz Wolters verlor sein Gebiss und Karl Krekeler sein Glasauge. Der Schiri hatte ein Einsehen, unterbrach das Spiel, und alle durchkämmten systematisch den Platz. Erst als beides wiedergefunden war, konnte das Spiel weitergehen. Und in Maria-Veen rannte ein Ka-ninchen Ernst Elkemann direkt vor die Nase. Er ließ Spiel Spiel sein und verfolgte das Karnickel. Erst als es sich in einer Höhle verkrochen hatte, dachte er wieder ans Fußballspiel.

Erste Breitensport-Ansätze

In diese Zeit fallen auch die ersten Versuche, den Sportbetrieb in Osterwick auszuweiten. Eine Boxabteilung wurde gegründet, die jeden Mittwochabend im alten Veltkampschen Saal trainierte. Sonntags war dann "Schau-boxen". Nach zwei Jahren erloschen die Aktivitäten der Abteilung.

Gute Boxer waren E. Gibbisch, Max Schilling, Böhle, Schulz, Juthewitz, Hülsken, Dröger, Steinmann und Hermann Wensky, Letzterer mußte wohl häufig einstecken.
Auch das Schachspiel war vorübergehend bei Westfalia möglich. Aber nach kurzer Zeit hieß es Schach-Matt für die Brettspezialisten.

Finanzierungs-Quellen

Nicht unerwähnt bleiben soll das Theaterspiel. Um die Kasse aufzufrischen, kam man auf die Idee, den da-mals hoch im Kurs stehenden Film von Heinz Rühmann , die "Feuerzangenbowle", als Theaterstück aufzuführen. Der Film wurde umgeschrieben, und das Stück wurde mehrere Male mit großem Erfolg im Veltkampschen Saal aufgeführt. Als wahre Theaterkanonen entpuppten sich dabei auf den Brettern, die die Welt bedeuten, die Gebrüder Schulte Rebbelmund und Keysers. Herbert Keysers brillierte als "Pfeiffer" und sorgte für viel Applaus.

Auch die Gemeinde beteiligte sich an der Finanzierung des Sportbetriebs. Einstimmig wurden die Versicherungskosten der Jahre 1948/49 in Höhe von DM 196 übernommen sowie eine Beihilfe von bis zu DM 100 für die Beschaffung von Werbeplakaten und Sportgeräten beschlossen. Außerdem gab es in den drei Jahr-zehnten nach 1945 einen jährlichen Zuschuß von DM 300 für die Jugendarbeit.

Der Fußball nach 1945

Bereits im Jahre 1946 rollte der Ball in Osterwick wieder um Meisterschaftspunkte. Westfalia belegte auf An-hieb nach einer tollen Kurzsaison den 2. Platz hinter Raspo Coesfeld. Das Spiel in Coesfeld gewann Osterwick mit 2:0, aber das letzte entscheidende Spiel gegen Gescher ging 3:4 verloren.

Westfalia spielte auch in den Folgejahren guten und gepflegten Fußball und war durchweg im oberen Tabel-lenbereich zu finden. Der Spielerkreis vergrößerte sich ständig, so daß auch eine zweite Mannschaft ins Spielgeschehen eingriff.

Bezirksklasse in Sicht

Den bis dahin absoluten sportlichen Höhepunkt gab es nach der Saison 1952/53 zu feiern. Ein 2:0 Sieg in Billerbeck bedeutete die Meisterschaft in der 1. Kreisklasse. Als Meister war Westfalia natürlich berechtigt, in die Bezirksklasse aufzusteigen. Eine eiligst einberufene General-versammlung entschied sich mit Zweidrittel-Mehrheit gegen den Aufstieg. Die zusätzlichen Kosten wie Bustransfer zu den entfernter liegenden Gegnern der Bezirksklasse erschienen wohl zu hoch. Auf eine erneute Aufstiegschance allerdings mussten die Verantwortlichen länger warten, als sie es 1953 erhofft hatten.

Der Verzicht auf den Aufstieg in die Bezirksklasse wirkte sich nicht positiv auf die Motivation der Fußballer aus. In der Folgezeit zog es den ein oder anderen Kicker zu einem Verein mit vielleicht besseren sportlichen Herausforderungen. Westfalia verließ zweimal die A-Klasse und stieg sowohl 1962 als auch 1969 als Meister der B-Klasse wieder auf. Seit dieser Zeit aber spielte Westfalias "Erste" bis zum Jahre 1980 in der 1. Kreisklasse und konnte sich immer zwischen dem 3. und 8. Platz behaupten.

Westfalia Fahne VorderseiteWestfalia Fahne Rückseite

Die Fahne der Westfalia mit Vorder- und Rückseite. Die Fahne wurde zum 50jähigen Bestehen Westfalias angeschafft, vorher existierte keine Fahne, was zur Folge hatte, dass der Verein zu wichtigen Anlässen nicht in Erscheinung treten konnte. Die Fahne wurde anlässlich des 75jährigen Jubiläums gereinigt und überarbeitet und mit einem Jubiläumsanhängsel versehen.